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Die Mauer, die zum Kanevas wurde

Margarita Theodoraki gestaltet die Mauer ihres Hauses in Vrachati (bei Korinth) in eine riesige Collage um

Charis Pontida  VERÖFFENTLICHUNG  03/01/2013

 

Margarita Theodoraki (auf dem Foto links) kommt, erteilt Weisungen, schafft etwas, zerstört etwas, kommt wieder zu ihrer Mauer – live vor den Augen der Passanten

Sie könnte noch ein weiteres Fotoalbum anlegen. Als Baby in Paris, mit neun zum ersten Mal in Vrachati (als ihr Vater im Exil war). Später bei seinen Konzerten im Ausland oder mit ihren Kindern. Sie könnte. Wenn sie nicht Margarita Theodoraki wäre.Es mag sein, dass alle, die sie bei der Arbeit sehen: wie sie, die Hände hochgekrempelt, Mosaiksteine und Objekte an die Mauer klebt, die ihr Haus in Vrachati umgibt, anfangs überrascht sind, am nächsten Tag jedoch wieder dorthin gehen, diesmal aber mit ihren Kindern.

Margarita Theodoraki geht und kommt, klebt, erteilt Weisungen, schafft etwas, zerstört etwas, kommt wieder – und all das vor den Augen der Passanten, die gewöhnlich auch ihren Kaffee mitbringen.

Ein großer Kanevas –die Mauer- , die einen auf den ersten Blick an die naiven Schöpfungen der Kunst Mexikos erinnert. Intensives Grün und Blau, Kinderspiele, Gläser, Teller, Blumentöpfe, Reiseandenken, Statuetten (einige hat sie sogar aus dem Ausland kommen lassen), Dekoratives, zusammen mit bunten Glasscherben, Spiegelchen und Badezimmerfliesen – all dies bildet diese eigentümliche Collage.

„Ich habe immer Gaudi bewundert“, sagt sie. „Er war mein Ausgangspunkt. Doch auf der Mauer finden Sie auch Kandinsky und Van Gogh. Sein Ohr, das Messer, das ihm das Ohr abschnitt, sein Blut. So etwa kommen die Dinge aus mir heraus. Assoziativ. Ich hatte z.B. ein Paar Schuhe als Nippfigur. Von der Zeit damals. Da fiel mir die Mode ein. Zentrum der Mode ist Paris. Paris ist aber auch die Stadt, in der ich geboren wurde. So gestalten sich allmählich die Geschichten auf der Mauer. Jetzt habe ich etwas  mit Theophilos vor. Und so weiter. Denn mit dem Schwung, den ich habe, werde ich auch bald am Haus meines Vaters sein, nebenan.“

 Eine eigenwillige Reise, die aus Erinnerungen, Assoziationen und Splittern einer vergangenen Zeit entsteht. „Was sollen wir jetzt daran herumdeuteln?“, fragt sich Margarita. „Jedenfalls ist das sicher auch eine Weise, mit den Leuten in Kontakt zu kommen.“

Die „Verwandlung“ der Mauer ihres Hauses in Vrachati ist ihre letzte „Verrücktheit“, wie sie selbst sagt. „Eine sehr schöpferische Verrücktheit. Und wenn ich darüber nachdenke: Man weiß nie, wohin einen das führen kann. Es wäre schön, wenn ich das zum Beruf machen könnte.“

Sie ist nicht die ganze Woche über da, richtet es aber so ein, dass sie an drei Tagen anwesend ist. „Ein Leben lang habe ich allein gestickt – solange  ich mich erinnern kann. Leute im Haus, die Kinder spielen, und ich sticke irgendwo in einer Ecke. Jetzt ist vor dem Haus die Hölle los. Schulen, Lehrer, Kinder. Ein riesiges Durcheinander.“

Die am häufigsten gestellte Frage der Passanten ist. „Warum?“ Die Antwort  kommt direkt: „Zu meinem Vergnügen. Und eurem. Es ist Street  Art, die Kunst in der Stadt. Und es ist unvorstellbar schön. Viel schöner, als sich auf einen Faden zu konzentrieren.“